Falls die Fusion der drei Gemeinden Goldingen, St. Gallenkappel und Eschenbach zustande kommt, soll ein gemeinsamer Name und ein gemeinsames Wappen entstehen. Das sei etwas Nebensächliches, meinen die einen, etwas Entscheidendes, die anderen.Immerhin: In der Schweiz sind schon Gemeindefusionen an der Wappen- oder Namensfrage gescheitert. Gemäss den Vorstellungen eines Heraldikers und der drei Gemeindebehörden soll die Bevölkerung mit einer Konsultativabstimmung entscheiden, welches Wappen in Frage kommt.
 
Zur Auswahl stehen vier Vorschläge: ein völlig neues Wappen mit drei Ringen, ein sprechendes mit Bach und Eschenblatt und zwei sogenannte Mischwappen, in denen Bestandteile der bisherigen Gemeindewappen aufscheinen sollen. Dasjenige Wappen, dem die meisten Stimmbürgerinnen und Stimmbürger im April zustimmen, soll dann das neue Hoheitszeichen der drei vereinigten Gemeinden werden.
 
Soweit schön und gut! Aber geht das wirklich so leicht, wie es uns weisgemacht wird? Ganz gewiss nicht! Zum Schutz der sanktgallischen Gemeindewappen sorgte die Gemeindewappenkommission des Kantons St. Gallen bereits vor rund 80 Jahren; sie setzte sich folgende Ziele: Erforschung, Sammlung und Festlegung der Wappen der politischen Gemeinden und nötigenfalls auch die Neuschaffungvon Wappen. Schliesslich stellte sie im Neujahrsblatt des kantonalen historischen Vereins von 1947 das Kantonswappen und sämtliche 90 Gemeindewappen vor. Dann folgte eine Regelung im Gemeindegesetz vom 23. August 1979. Das zweite Wappenbuch erschien dann 1991. Die Blasonierung des Eschenbacher Wappens ist nach dem so genannten «Eschenbacher Wappenkrieg» von 1988 in der Gemeindeordnung verankert worden. Wenn nun irgendetwas aus der Gemeindeordnung verändert werden soll – so auch das Wappen – bedarf es einer Volksabstimmung.Das darf die Eschenbacher Gemeindebehörde nicht einfach so missachten. Da genügt eine Konsultativabstimmung nicht; damit könnte man bestenfalls die heraldische Geschmacksrichtung der Bevölkerung ausloten.
 
Ein wenig anders sieht es in Goldingen und St. Gallenkappel aus, wo jeweils der Gemeinderat entscheiden kann, ob und wie das Wappen geändert werden soll. Ein tradiertes Wappen, wie es sich bei allen dreien handelt, sollte man nicht allzu leichtfertig aufgeben, schon gar nicht, wenn das neue aufgrund eines Jekami- Wettbewerbs von Krethi und Plethi geschaffen wird. Ein völlig neues Wappen für eine Gemeinde zu kreieren, die möglicherweise am Widerstand etlicher Stimmbürger gar nicht entstehen könnte, finde ich überheblich, lieblos, fantasielos und erst noch falsch. Dass ein Ausschuss zudem im Alleingang entschieden hat, die vereinigte Gemeinde solle künftig Eschenbach heissen, finde ich geradezu skandalös. Wenn schon, wie offiziell angekündigt, die Gemeindenamen bleiben, könnten auch die drei Gemeindewappen weiterhin bestehen bleiben – auch in allen künftigen amtlicheUnterlagen wie den Briefköpfen, Couverts, Abstimmungsunterlagenusw. Das wäre eine einfache und kostengünstige Lösung, die einem Fantasiewappen ohne jegliche Tradition und ohne geschichtlichen Hintergrund vorzuziehen wäre.

Erwin Krättli, Eschenbach