Das Hin und Her mit all den Zahlen erinnert mich immer mehr an den biblischen Tanz um das goldene Kalb. Wie hoch werden die Kantonsbeiträge sein? Wird der Steuerfuss vielleicht auch nur vorübergehend reduziert? Um wie viel steigen die Krankenkassenprämien usw.? Dabei wird ausgeklammert, dass auch die Beiträge des Kantons nicht einfach so vom Himmel fallen, sondern vorher uns Steuerzahlern aus der Tasche gezogen wurden. Warum bezahlt der Kanton eigentlich Beiträge, wenn die fusionsbedingten Mehrkosten doch so rasch und problemlos wieder hereingeholt werden durch Synergien?
Die veröffentlichten Zahlen mögen annähernd stimmen oder auch nicht. Ich neige eher zur Annahme, dass ich nur einer Statistik trauen kann, die ich selber gefälscht habe. Vor lauter Zahlenakrobatik geht für mich der meiner Meinung nach zentrale Punkt in der ganzen Diskussion vergessen, nämlich das Gefühl, die Emotionen – das heisst Einschränkung der Demokratie, Verlust von Heimat usw. Demokratieverlust bedeutet für mich, wenn meine Stimme weniger wichtig geworden ist bei 8462 Einwohnern statt bei 1796 wie bisher (Quelle: «zäme», Ausgabe 3). Wer Prozentrechnen beherrscht, kann diese Tatsache nicht aus der Welt schaffen.
Heimat bedeutet für mich, wenn ich in einer Bürgerversammlung etwa 80% der Anwesenden kenne und diesen gelegentlich auch anderswo begegne, sei es beim Gang durchs Dorf, beim Einkaufen, in einem Verein, bei geselligen Anlässen etc. Die Rede ist immer wieder von Synergien, Einsparungen, mehr Gewicht und anderen Schlagwörtern. In vielen Fällen könnte man dies auch ohne Gemeindefusion erreichen und wird ja teilweise auch schon erreicht durch Zusammenarbeit auf verschiedensten Gebieten, die sinnvoll sind. Deswegen aber die Unabhängigkeit ganz aufzugeben, finde ich traurig, auch wenn dies sogar als Fortschritt verkauft wird. So hoffe ich, dass bei der Abstimmung auch die Emotionen, das Bauchgefühl mitreden werden und nicht alles auf die oft verheerende Rationalität gesetzt wird. Je weniger Gemeinden es gibt, umso einfacher ist es für die Kantonsbehörden, die Untertanen zu regieren.
Wollen wir das wirklich?
Max Knecht
St. Gallenkappel